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Warum wird Ethohydraulik benötigt?

 

Im Jahr 2000 ging mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ein Paradigmenwechsel für die Ausrichtung wasserwirtschaftlichen Handelns einher: War bislang die Einhaltung chemisch/physikalischer Qualitätswerte in Still- und Fließgewässern maßgeblich, gilt es künftig, auch den ökologischen Zustand der Oberflächengewässer zu schützen bzw. zu verbessern. Bewertungsgrundlage hierfür ist die Ausprägung der aquatischen Lebensgemeinschaften. Aktuelle Bestandserhebungen zeigen allerdings massive Besiedlungsdefizite auf, so dass das vorgegebene Ziel eines guten ökologischen Zustandes in vielen Einzugsgebieten wohl nicht erreicht wird.

Ursächlich verantwortlich für diese Situation sind anthropogene Nutzungsansprüche an die Gewässer, die ihren Ausdruck in vielfältigen wasserbaulichen Maßnahmen und Bauwerken finden z. B. für Schifffahrt, Energiegewinnung, Hochwasserschutz, Trinkwassergewinnung, Sport- und Freizeitnutzung etc.

Versuchsgerinne

Allen diesen wasserbaulichen Aktivitäten ist gemeinsam, dass sie in der Vergangenheit weitgehend ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der aquatischen Organismen durchgeführt wurden. So wird die Durchgängigkeit der Fliessgewässersysteme für stromaufwärts wandernde Organismen durch zahlreiche Staubauwerke unterbrochen, werden durch Wasserkraftanlagen und Pumpen stromabwärts wandernde Fische in erheblichem Umfang geschädigt und genügen viele Renaturierungsmaßnahmen zwar landschaftsästhetischen Ansprüchen, befriedigen aber die Bedürfnisse der Pflanzen- und Tierwelt nicht. Selbst Fischaufstiegsanlagen erfüllen oft ihren originären Zweck nur unzureichend, da die Anforderungen der Fische an solche Bauwerke nur ungenügend bekannt sind, oder bei Planung und Bau keine ausreichende Berücksichtigung fanden.

Ein wesentlicher Grund für das spärliche Wissen um die Anforderungen insbesondere der Fischfauna ist, dass sich diese sehr mobilen Organismen unter Naturbedingungen einer direkten Beobachtung entziehen. Deshalb sind Untersuchungen über das Verhalten von Fischen in Gewässern sehr zeit- und personalaufwändig. Andererseits unterliegen die verschiedenen Faktoren, die das Verhalten der Fische beeinflussen, permanenten Schwankungen, so dass sie sich nur schwer messen und hinsichtlich ihrer ökologischen Bedeutung interpretieren lassen. Da zudem der Nutzen solcher Grundlagenforschung bislang verkannt wurde, existieren für die wasserbauliche Praxis so gut wie keine fischökologisch relevanten Kriterien oder Kennwerte in Hinblick auf eine gezielte ökologische Aufwertung von Gewässern.

Vor diesem Hintergrund wurde am Institut für Wasser und Gewässerentwicklung des Karlsruher Instituts für Technologie in Zusammenarbeit mit Biologen des Instituts für angewandte Ökologie die Transdisziplin "Ethohydraulik" erarbeitet.

Barbe